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Warum ehrlicher Glaube keine glasklare Sache ist

  • 26. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Nov. 2025

Paulus hat vor langer Zeit gesagt: "Denn jetzt sehen wir in einem Spiegel nur undeutliche Bilder, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen nur Stückwerk; dann aber werde ich ganz erkennen, wie auch ich ganz erkannt worden bin." (1. Korinther 13,12)


Kennst du die Geschichte mit den Blinden und dem Elefant? Fünf Blinde sollen einen Elefant beschreiben. Der eine fühlt das Bein und sagt: "Er ist eine Säule!". Der andere fühlt den Bauch und sagt: "Nein, er ist wie eine Wand". Der Dritte fühlt den Stoßzahn und sagt: "Nein, er ist wie eine Röhre oder ein Schwert." Der Vierte fühlt den Schwanz sagt: "Nein, er ist wie ein Seil." Und der Fünfte befühlt das Ohrt und meint: "Nein, er ist wie ein großer Fächer."


Nun, ein bisschen so müssen wir uns die Sache mit Gott auch vorstellen. Jedenfalls ist Paulus sehr bescheiden in seiner Beschreibung davon, wie viel er selbst von Gott verstanden hat. Es sagt: "Ich habe ein undeutliches Bild. Fragmente, Puzzleteile, Bruchstücke." Erst im Himmel werden ich wirklich das große ganze Bild verstehen. Wie viele Christen würden ihre eigene Erkenntnis so demütig beschreiben?


Glauben wir das von uns? Dass unser ganzes großes theologisches Wissen, alles, was wir aus der Bibel gelernt haben, nur ein Bruchstück ist, etwas Unklares? Dafür müssen wir wissen, dass Spiegel früher ein polliertes Metallstück waren, in dem man nur grobe Umrisse erkennen konnte und kein glasklares Stück Glas wie heute.


Diese demütige Haltung ist die Voraussetzung dafür, dass Gott uns mehr beibringen kann. Nur, wenn wir glauben, dass wir ganz viel noch überhaupt nicht richtig verstanden haben, bleiben wir Lernende. Es bedeutet auch: Wir sehen jetzt manches falsch. Da fehlen Teile. Wir verstehen manches nicht ganz. Da sind Löcher. Wir machen manches falsch, denn wir haben bestimmt einiges noch nicht richtig verstanden. Wenn wir glauben: Wir haben blinde Flecke, die wir selbst nicht sehen können, sind Anfänger in Sachen Glauben. Dann kann Gott in uns wirken: uns korrigieren, uns mehr beibringen und wachsen lassen.


Ellen White formulierte es so: „Wir haben viele Lektionen zu lernen, und viele, viele zu verlernen. Gott und der Himmel allein sind unfehlbar. Jene, die meinen, sie würden niemals eine liebgewordene Ansicht aufgeben müssen oder Anlass haben, eine Meinung zu revidieren, werden enttäuscht werden. Solange wir mit unbeweglicher Beharrlichkeit an unseren eigenen Ideen und Überzeugungen festhalten, können wir nicht zu der Einheit kommen, um die Christus betete."

Ellen White, The Review and Herald, 26. Juli 1892


Bei jeder Meinung und Überzeugung, die wir haben, sollten wir eine Tür dafür offen stehen lassen, durch die Jesus kommen kann, um uns zu korrigieren und zu widerlegen. Wir sollten in keiner Sache so überzeugt sein, dass wir nicht bereit wären, unsere Meinung zu ändern. Je demütiger unsere Haltung ist, desto mehr bitten wir Gott: Zeig mir, wo ich falsch liege. Lass mich besser verstehen, wie du es meinst.


Dass wir unsere Meinung verändern, sollte die Regel und nicht die Ausnahme sein. Denn es ist ein Zeichen davon, dass wir dazulernen und uns korrigieren lassen. Wir sollten niemals so selbstsicher sein, dass wir anderen gar nicht erst zuhören wollen. Niemand von uns hat "die Wahrheit" erkannt - sondern alle nur Bruchstücke und jeder von uns andere Puzzleteile verstanden. Ob du jetzt glaubst, du hast 90% verstanden oder 5% oder 0,5% hängt von deiner Demut ab. Die demütigsten Menschen sind die angehmsten. Weil sie bereit sind zuzuhören, um zu lernen. Dann werden wir zusammen beten, weil keiner schon alles weiß. Dann brauchen wir alle anderen Menschen, weil die anderen vielleicht etwas besser verstanden haben als wir. Dann lernen wir allle miteinander und nicht die anderen bloß von uns.

 
 
 

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