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Vier Fragen, die alles verändern

  • 31. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Feb.


Kennst du schon „The Work“ von Byron Katie? Die Methode, die aus vier einfachen Fragen besteht, ist für mich wie ein Wunderheilmittel. Ein Mittel gegen Anschuldigung, Wut, Bitterkeit und Verletzungen. Mir helfen diese einfachen Fragen barmherziger, ehrlicher, ruhiger und mitfühlender zu werden - mit anderen und auch mit mir selbst. Es ist eine Anleitung zum Perspektive-wechseln. Zum bei-sich-ankommen.


Worum geht es?

Ausgangspunkt ist: Die Realität ist nicht so, wie wir sie gerne hätten. Und daran leiden wir. Wann warst du das letzte Mal wütend, weil jemand nicht getan hat, was er hätte tun sollen – deiner Meinung nach? Der Nachbar sollte nicht so pingelig sein. Der Partner sollte besser zuhören. Die Kinder sollten ihre Sachen besser aufräumen. Unsere beste Freundin sollte mehr Zeit für uns haben. Warum sind die Menschen nicht so, wie wir sie gerne hätten? Manchmal macht uns das traurig. Manchmal auch geradezu verzweifelt. Wir sind verletzt, wir leiden und lassen das manchmal andere auch spüren.


Byron Katie sagt: Wir leiden, wenn wir uns ständig gegen die Realität wehren. Wir können verzweifeln an dem, was ist. Oder wir können lieben, was ist.


Wie kommen wir da hin?

Byron Katie macht es ganz einfach. Ihre Methode besteht aus deiner Geschichte (= deinen Anklagen und Annahmen), vier Fragen und der Umkehrung. Wichtig ist: Es funktioniert nur schriftlich! Die Arbeitsblätter, um „The Work“ selbst auszuprobieren, findest du hier:


So geht es!


Zuerst: Urteile über deinen Nächsten: Schreibe deine Geschichte auf - ungeschönt!

  • Was denkst du?

  • Was fühlst du?

  • Was sollten die anderen tun?

  • Was brauchst du?


Dann frage dich:

  1. Ist das wirklich wahr?

  2. Kannst du absolut sicher sein, dass es wahr ist?

  3. Wie reagierst du oder was passiert mit dir, wenn du diesen Gedanken tatsächlich glaubst?

  4. Wer wärst du und wie fühlst du dich ohne diesen Gedanken?


Dann: Drehe die Aussage um. (Es gibt mehrere Möglichkeiten)


Ich gebe dir ein fiktives Beispiel:


Meine Geschichte, mein Urteil: "Ich glaube, ich bin für meine beste Freundin nicht mehr wichtig. Sie hat nie Zeit für mich und fragt nicht, wann wir uns treffen können. Ich gebe viel mehr in die Beziehung als sie. Sie sollte fragen, wann ich Zeit habe und gerne mit mir zusammen sein. Ich bin total verletzt und wütend, weil von ihr so wenig kommt. Ich brauche von ihr, dass sie mich fragt, wann ich Zeit habe und wie es mir geht, wenn wir uns im Sport treffen. Sie soll mich nicht ignorieren. Sie gibt mir das Gefühl, ich bin ihr egal. Das ist doch keine Freundschaft!"


Wir beginnen immer nur mit einer Aussage, z.B.: "Ich bin für meine beste Freundin nicht mehr wichtig."


1.        Frage: Ist das wirklich wahr?

"Ich denke, dass ich ihr nicht mehr wichtig bin, weil sie sich einfach keine Mühe macht mit mir zu sprechen oder fragt, wann ich Zeit habe, dass wir mal was Schönes zusammen unternehmen. Also: Ja, wahrscheinlich. Aber ich weiß es nicht sicher."


2.        Frage: Kannst du absolut sicher sein, dass es wahr ist?

"Nein. Natürlich kann ich nicht in ihren Kopf gucken. Sie hat nicht gesagt, dass ich ihr nicht wichtig bin und wenn wir uns im Sport sehen, zeigt sie auch immer, dass sie sich freut, mich zu sehen. Sie hat mir auch zum Geburtstag ein teures Geschenk gemacht. Aber sonst kommt einfach fast nichts von ihr. Das verunsichert mich. Ich weiß nicht, warum sie so wenig mit mir spricht. Eigentlich müsste ich sie fragen, was los ist."


3.        Frage: Was passiert mit dir, wenn du diesen Gedanken wirklich glaubst?

"Wenn ich glaube, dass ich für sie egal bin, bin ich wütend. Ich ziehe mich zurück, ich melde mich nicht, ich bemühe mich nicht um die Beziehung. Ich habe schlechte Laune und ich habe weniger Kraft, weil es mich belastet. Ich fühle mich unsicher, wenn ich sie treffe und versuche sie manchmal zu meiden. Ich frage sie nicht mehr, wann sie Zeit hat, weil ich Angst vor einer Ablehnung habe. Ich frage auch nicht mehr so sehr, wie es ihr geht. Ich gehe ihr fast schon ein bisschen aus dem Weg."


4.        Frage: Wer wärst du und wie fühlst du dich ohne diesen Gedanken?

"Ohne diesen Gedanken wäre ich sehr glücklich, weil ich eine beste Freundin habe, die mich mag. Ich wäre wieder freier und unbeschwerter und würde mich freuen, sie im Sport zu sehen."


Die Umkehrung: Drehe die Aussage um „Ich bin für sie nicht mehr wichtig“.


1.        Mögliche Umkehrung: Sie ist für mich nicht mehr wichtig.


"Nein, das ist falsch. Sie ist für mich wichtig. In den letzten Monaten war ich viel mit meiner Familie beschäftigt und öfter krank. Darum habe ich nicht so viel Zeit mit ihr verbracht und mich lange nicht bei ihr gemeldet. Aber ich möchte die Freundschaft nicht veliren. Mh, vielleicht hatte sie das Gefühl, dass sie nicht mehr so wichtig für mich ist… Vielleicht habe ich sie in dem ganze Stress selbst vergessen zu fragen, wie es ihr geht… Vielleicht denkt sie, dass sie für mich nicht mehr wichtig ist, weil ich immer mit anderem beschäftigt war. Vielleicht sollte ich auf sie zugehen und ihr sagen, was sie mir bedeutet, obwohl ich lange keine Zeit hatte und wenig Interesse gezeigt habe."


2.        Mögliche Umkehrung: Ich bin für mich nicht mehr wichtig.


"Eigentlich hoffe ich immer auf sie, weil ich wenige andere Freunde habe. Würde ich mich mehr um andere Freundschaften bemühen, wäre ich nicht nur auf sie angewiesen und nicht so abhängig von ihr. Ich bin oft einsam und darum hoffe ich immer, dass sie meine Einsamkeit nimmt. Es wäre meine Aufgabe, mehr Freundschaften aufzubauen."


3.        Mögliche Umkehrung: Sie ist für sich nicht mehr wichtig.


"Das stimmt. Sie ist total belastet durch die Situation mit ihrer Arbeit. Sie sagt oft, dass ihr einfach die Kraft fehlt um Leute zu treffen. Ich merke, dass es ihr schlecht geht. Ich weiß, dass sie früher öfters Depressionen hatte. Sie sollte sich einfach von ihrer Arbeit trennen. Sie weiß, dass sie daran kaputt geht. Aber sie tut es einfach nicht, das macht mich wahnsinnig. Vielleicht wünscht sie sich von mir, dass ich mehr für sie da wäre? Vielleicht würde sie sich über mehr Anteilnahme von meiner Seite freuen..."


Der Effekt: Ehrlichkeit & Gnade

Merkst du, was passiert, wenn wir uns einfach die Frage stellen, ob etwas wirklich wahr ist? Ob wir uns das zu 100% sicher sein können, dass unsere Gedanken die Realität sind? Der Satz „Die Wahrheit wird euch frei machen“ steht tatsächlich in der Bibel. Oft erzählen wir uns in unserem Kopf Geschichten, die für uns zwar Sinn machen, aber das Leben und unser Herz auch deutlich beschweren. Wenn wir ehrlich sind, können wir oft gar nicht wissen, ob sie wahr sind und ob es den Grund für unsere Wut und Verletztheit überhaupt gibt.


Die Lösung: Wir könnten uns auch andere Geschichten erzählen, andere – mitfühlendere – Gründe finden, warum die Menschen so sind, wie sie sind. In jedem Fall werden wir die Menschen nicht ändern. Unsere Gedanken können wir ändern!


Die zweite Lektion für mich ist: Das, was wir anderen vorwerfen, finden wir oft auch in uns selbst. Der andere ist ungeduldig, pingelig, hört nicht zu, nimmt sich keine Zeit, liebt uns nicht? Hören wir denn aufmerksam zu, sehen über Fehler großzügig hinweg, bitten um Zeit, haben Geduld? Vielleicht sagen wir: Ja. Aber sind wir auch so zu uns selbst und zu allen anderen Menschen? Wirklich? Oder machen wir das, was wir dem anderen vorwerfen, nicht genauso – nur an anderen Stellen in unserem Leben? "The Work" lenkt den Blick weg von den anderen auf uns. Wir können nur uns selbst ändern. Die anderen gehen uns nichts an.


Jesus hat gesagt: „Kümmere dich zuerst um den Balken in deinem Auge. Dann um den Splitter in dem Auge deines Nachbarn.“ Sieh deine Schwächen, deine Gründe für dein Verhalten, die niemand kennt. Dann wirst du barmherzig mit den Schwächen anderer und ahnst, wovon sie dir vielleiht nichts erzählt haben. In jedem Fall weißt du am Ende, was du besser machen könntest, was du vielleicht übersehen oder vergessen hast. Und siehe da: Wenn du bei dir anfängst, folgt der andere meistens auch. :-)

 
 
 

1 Kommentar


lupo
01. Feb.

Erinnert mich ein bisschen an das "Prinzip der wohlwollenden Interpretation" (s. Wikipedia). Eigentlich nichts anderes als die "Goldene Regel" (Mt 7,12) auf die Kommunikation übertragen. Anderen das unterstellen, was man in seiner Situation gerne selbst unterstellt bekommen will. Wirklich originell und hilfreich.

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