Keine Angst vor Fehlern!
- 22. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Nov. 2025

Ich bin ein Mensch mit furchtbarer Angst vor Fehlern. Darum fallen mir auch Entscheidungen so schwer. Egal, ob es dabei nur um ein paar Schuhe geht oder eine neue Wohnung. Jede Entscheidung ist ein Risiko. Ich habe diese Angst also immer noch. Aber es gibt zwei Grundsätze, an denen ich mich festhalte:
Der erste Satz lautet: „If you err, err on the side of mercy“. Übersetzt: Wenn du einen Fehler machst, dann auf der Seite der Barmherzigkeit. Sei lieber einmal zu gnädig als zu hart. Lieber einmal zu viel geliebt als zu wenig. Grenzen setzen ist wichtig. Ich bin ein großer Fan von Strenge und Disziplin. Wenn meine Schüler eine Minute zu spät zum Unterricht kommen, müssen sie vor der Tür warten. (Weil aus Erfahrung sonst bald die ganze Klasse zehn Minuten später in den Unterricht spaziert.)
Ich weiß, dass Gnade nie eine Pflicht ist. Aber ich möchte ein Mensch sein, der lieber einmal zu großzügig war, einmal zu viel vergeben hat, einmal zu viel verschenkt hat, einmal zu viel an jemanden geglaubt hat – als zu wenig. Ich will nur einen Fehler nicht machen: Im Rückblick zu unbarmherzig gewesen zu sein, zu wenig Verständnis gezeigt zu haben, zu wenig an andere geglaubt zu haben, wo sie es vielleicht gerade gebraucht hätten. Weil Gott so zu mir ist.
Mein zweiter Merksatz lautet: „Sündige tapfer!“ Dieser Satz stammt von Martin Luther. Er schrieb ihn an seinen Freund Philipp Melanchton, der wohl ein bisschen so war wie ich.
„Melanchthon war wie Luther Professor an der Universität in Wittenberg. Als Luther längere Zeit nicht in der Stadt sein konnte, musste Melanchthon ihn vertreten. Luthers neue Ideen sorgten für große Aufregung und Streit. In diesem Durcheinander sollte Melanchthon für Ruhe sorgen – und war total überfordert. Melanchthon war kein Anführer-Typ. Er hatte große Angst, Fehler zu machen. In Briefen hat er Luther um Rat gefragt. Und das war dann der Ratschlag, den er bekommen hat: „Sündige tapfer!““[1]
Genauer: „Sündige tapfer, doch glaube noch tapferer!“
Eine Quelle der evangelischen Kirche beschreibt es so:
„Es lohnt sich, das Wort »Sündige tapfer, doch tapferer glaube« im geschichtlichen Zusammenhang zu verstehen. Luther schrieb es seinem Freund und Kollegen Melanchthon. Magister Philippus war der kluge Kopf der Reformation, aber er hatte eine Schwäche. Er war ein Grübler und traf höchst ungern Entscheidungen. Im Gegensatz zum vorpreschenden Luther war er nachdenklich, bedächtig, voller Selbstzweifel. So verbrachte er schlaflose Nächte und zögerte Entscheidungen hinaus, wo er nur konnte. Seine Verzagtheit bescherte ihm ein Magengeschwür, er musste sich von Schonkost ernähren. Luthers Botschaft an den Freund war: Du kannst nicht leben, ohne Fehler zu machen. Falsche Entscheidungen gehören dazu. Auch Abwarten kann ja falsch sein. Keine Angst also, nur Mut. Sündige tapfer! Luthers zweiter Rat: Glaube noch tapferer! Du bist nicht allein, der gnädige Gott kann deine Fehler zum Guten wenden.“[2]
Dies ist die genauste Quelle von Luthers Brief, die ich finden konnte:
„Wenn du ein Prediger der Gnade bist, dann predige eine wahre und keine fiktive Gnade; wenn Gnade wahr ist, musst du eine wahre und keine fiktive Sünde ertragen. Gott rettet keine Menschen, die nur fiktive Sünder sind. Sei ein Sünder und sündige kühn, aber glaube und freue dich noch kühner an Christus, denn er ist Sieger über Sünde, Tod und Welt. Solange wir in dieser Welt sind, müssen wir sündigen. Dieses Leben ist nicht die Wohnstätte der Gerechtigkeit, sondern, wie Petrus sagt, wir erwarten einen neuen Himmel und eine neue Erde, in der Gerechtigkeit wohnt (2. Petrus 3:13). Es genügt, dass wir durch den Reichtum der Herrlichkeit Gottes das Lamm kennengelernt haben, das die Sünde der Welt hinwegnimmt (Johannes 1:29). Keine Sünde wird uns vom Lamm trennen, auch wenn wir tausendmal am Tag Unzucht treiben und morden.“
(zitiert in Hendrix, Martin Luther, 121-122) (Quelle nicht überprüft)
Luthers letzter Satz ist wohl ein bisschen krass. Aber die Bibel ist voller Geschichten, die zeigen: Gott ist größer als unsere Fehler. Er steht trotzdem auf unserer Seite. Und er kann sie zum Guten wenden. Das ist die gute Nachricht, die Bedeutung von Erlösung: Keine Angst vor Fehlern. Gott ist mächtiger als die Wirkung unserer Fehler. Und er hält uns trotzdem.




Ich habe mittlerweile auch immer größere Angst davor, Fehler zu machen. Und bei meinem neuen Versuch, Gott kennenzulernen, umso mehr. Dein Artikel hilft mir gerade ein bisschen 😊 Amen.
Und ich schließe mich m.magel an.
Wenn ich den Begriff Barmherzigkeit jemanden erklären würde, würde dahinter dein Name stehen. Sei nicht so hart zu dir selbst und deinen vermeintlichen Fehlern. Gott liebt dich und wie du sagst, er ist gnädig. Welche wunderschöne Kraft hast du, die dir den Glauben schenkt und dich stärker werden lässt! Du bist gut! Du bist groß!
Wir alle haben das Laufen durch Hinfallen gelernt. D.h. wir kommen nur durch Fehler weiter. Jeder vermeintliche Fehler ist eine kostbare Erfahrung, die uns weiterbringt. Ohne diese Haltung des Thomas Edison würden wir im Dunkeln sitzen. Mach Fehler, was das Zeug hält! Trau dich! Fast jede Entscheidung lässt sich korrigieren, wenn es tatsächlich nötig sein sollte. Ist es meistens aber nicht. 😁