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Gottesdienst im Pub

  • 26. Okt. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Nov. 2025

Alexander Kampmann erzählte in seiner Predigt, dass er für eine Evangelisation in Herne keinen passenden Raum in der Stadt finden konnte, bis er in einem Pub anfragte (den er im Traum gesehen hatte). Die Kneipe stellte ihm sogar gerne und kostenlos die Räumlichkeiten zur Verfügung. Ganz andere Menschen kamen zu den Veranstaltungen als sonst. Die Vorträge mussten unterbrochen werden, weil die Leute zwischendrin Fragen stellten. Hinterher kannte der Pastor die Hälfte der Punks in der Stadt und einer von ihnen ließ sich taufen. Was wäre, wenn wir auf die Leute zugehen würden, anstatt zu warten, dass sie zu uns kommen?


Vor kurzem hat mich mein afghanischer Freund gebeten, in einem Handyladen in unserer Stadt Geld nach Kabul zu schicken. Ich war ohnehin in der Stadt und es war eine Sache von zwei Minuten. Aber allein die Vorstellung an einen mir so fremden Ort zu gehen (ich war noch nie in einem afghanischen Handyladen) und mit mir fremden Menschen etwas zu machen, was ich noch nie gemacht hatte, ließ mich lange zögern. Mein ganzer Körper wehrte sich - gegen eine Sache, die völlig harmlos, aber einfach total fremd war für mich. Ich dachte: "Der Verkäufer wird mich bestimmt auslachen. Ich spreche kein Persisch. Ich sehe doch total deutsch aus!" Es kostete mich Überwindung und Mut den Laden zu betreten und zu sagen: "Ich möchte bitte Geld nach Kabul an Aziz schicken." Entsprechend belustigt und verwirrt schaute mich der Verkäufer an: "Aus welchem Land kommst du?" "Aus Deutschland. Ja, es ist für einen Freund. Nein, ich habe das noch nie vorher gemacht. Wie geht das genau?" Ich fühlte mich unsicher, fremd, etwas beschämt und hilflos. Machte ich am Ende alles richtig?


Genauso fühlen sich alle Menschen, die ohne kirchlichen Hintergrund zum ersten Mal eine Kirche betreten - alles ist fremd, ungewohnt. Wie werden die Menschen auf mich reagieren? Wie muss ich mich verhalten? Werde ich es richtig machen? Sie haben Angst sich zu blamieren. (Es ist auch wirklich schwer: Wann muss man aufstehen, sich hinsetzen, in welchen Raum gehen, was dort machen?) Natürlich kommen sie nicht in unserer Gottesdienste. Denn das ist weitaus mehr verlangt als von mir zwei Minuten in einem afghanischen Laden einen Gefallen für meinen besten Freund zu tun.


Wie viel leichter würden wir es den Menschen machen, wenn wir zu ihnen kämen - in den Jugendclub, ins Altenheim, in den Mehrzweckraum, in den Pub? Allein die gewohnte Umgebung (eine nichtkirchliche, neutrale) würde es bestimmt vielen Leuten leichter machen. Nur: für uns wäre es schwerer. Wir würden uns plötzlich unsicher fühlen. Wir müssten etwas Neues wagen. Trauen wir uns? Oder machen wir es weiter uns leicht und den anderen schwer?


Jesus hat nie die Leute an irgendeinen Ort gerufen, um ihnen vom Reich Gottes zu erzählen. Er ist zu ihnen gegangen - auch nach Samaria oder Syrien. Da, wo die Leute einen anderen Glauben hatten, zu den Ausländern. Und in die Grenzgebiete und zu den Höhlen, wo die Aussätzigen lebten. Vielleicht das Bahnhofsviertel in Frankfurt? Das Licht muss in die Dunkelheit.

 
 
 

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