Die schönste Geschichte der Bibel
- 26. Okt. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Nov. 2025

Hast du eine Lieblingsgeschichte in der Bibel? Für mich ist es die Geschichte von Maria. War es Maria von Magdala oder Maria, die Schwester von Lazarus? Historisch ist es unklar. Jedenfalls wird sie meist als ein und dieselbe Person gesehen. Ihre Geschichte ist so wichtig, dass sie gleich viermal in der Bibel steht. Jeder Autor der vier Evangelien hat sie aufgeschrieben. In Lukas 7,36-50 steht der zweite Teil der Geschichte. In Lukas 8,2 erfahren wir den Anfang.
Was wissen wir über Maria? Jeder in der Stadt hatte eine schlechte Meinung von ihr. Sie war eine "stadtbekannte Sünderin". Manche Übersetzungen schreiben gleich "Prostituierte" oder "Hure". Vielleicht war sie aber auch kriminell? Gewalttätig? Spion der Römer? Wir wissen es nicht. Aber wir wissen, dass Jesus von ihr sieben Dämonen ausgetrieben hatte. Ellen White schreibt, dass er "sieben mal" Dämonen von ihr ausgetrieben hat. Sieben ist in der Bibel die Zahl der Vollkommenheit. Das bedeutet: Ständig hat Jesus Dämonen von ihr ausgetrieben. Maximal viel.
Ihr Leben muss eine Katastrophe gewesen sein. Sie muss unendlich gelitten haben. Und wenn es "sieben mal" so schlimm war, dass Jesus sie befreien musste, dann hatte sie ständig Rückfälle. Ständig ist sie zurück in ihr altes Leben gegangen. Ständig war sie wieder in schlechtem Zustand. Ihre Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie Bekehrung wirklich aussieht: wieder und wieder und wieder muss Jesus uns aus dem Bösen herausziehen, in das wir fallen. Und jeder in der Stadt wusste: Sie schafft es eh nicht, clean/normal/anständig/fromm zu bleiben. Keine Chance.
Hat sie Drogen genommen? Hat sie versucht, sich mit Sex Liebe zu erkaufen? Konnte sie dem Geld nicht wiederstehen und hat immer wieder etwas mitgehen lassen? Woher wusste die ganze Stadt von ihren Problemen? Wie ist sie in die falschen Kreise geraten? Wie hat es angefangen? Welche Not hat sie in die Arme von falschen Freunden und gefährlichen Kontakten getrieben? Wurde sie als Kind sexuell missbraucht?
Und gegen welche Dämonen hat sie gekämpft? Gegen Panikattacken? Hat sie keine Luft bekommen, hat ihr Herz angefangen zu rasen, dachte sie immer wieder, sie muss sterben? Oder hat sie Stimmen gehört wie in einer Psychose, die ihr gesagt haben: Wir bringen dich um! Dich braucht hier keiner! Hier kommst du nie wieder raus! Oder waren es Zwänge, die sie geplagt haben? Hat sie sich ihre Wimpern ausgerissen? Zwanghaft geklaut? Und wie oft haben ihr Bruder und ihre Schwester versucht ihr zu helfen - aber ohne Erfolg? Wie entnervt waren sie, wenn ihre Schwester ja doch immer wieder in die gleichen Verhaltensmuster gefallen ist? Ein hoffnungsloser Fall - offensichtlich.
Und dann ist da Jesus. Er fühlt sich wohl in dieser Familie - ausgerechnet in dieser Familie. Das sind seine besten Freunde: Lazarus, Marta und Maria. Dorthin geht er, wenn er sich ausruhen will. Bemerkenswert. Aus Marias Perspektive: Da kommt ein Freund von ihrem Bruder und er ist nett zu ihr, respektvoll sogar, er interessiert sich für sie und sie fühlt sich gesehen, zum ersten mal geliebt? Wenn er da ist, hat sie kein Panikattacken, die Stimmen sind still, sie ist ruhig, fühlt Frieden, wird ein normaler Mensch.
Und dann, wenn Jesus wieder weg ist, werden die Stimmen wieder so laut. Die Sucht wird so stark, sie geht trinken oder lässt etwas mitgehen oder wirft sich wieder den Männern an den Hals. Und alles wird wieder unerträglich. Bis Jesus wieder kommt und plötzlich alles gut ist. Und wieder fällt sie zurück. Und wieder befreit er sie. Und wieder wird sie übermannt. Und wieder befreit er sie. Und wieder zieht sie das schwarze Loch zurück. Und wieder befreit er sie. Und wieder...
Ellen White schreibt in "Das Leben Jesu" (S. 560): "Maria war allgemein als große Sünderin angesehen worden, doch Jesus kannte die Umstände, die ihr Leben bisher beeinflußt hatten. Er hätte jeden Funken Hoffnung in ihr auslöschen können, tat es aber nicht. Er hatte sie vielmehr aus Verzweiflung und Verderben herausgerissen; siebenmal waren die bösen Geister, die ihr Herz und Gemüt beherrscht hatten, aus ihr ausgefahren. Sie hatte gehört, wie Jesus für sie zu Gott gebetet hatte, und sie wußte, wie anstößig die Sünde seiner Reinheit war, und durch seine Kraft hatte sie es herausgeschafft.
Bei den Menschen erschien Marias Fall hoffnungslos; doch Christus sah das verborgene Gute in ihr, er erkannte ihre besseren Wesenszüge. (...). Sie, die gefallen und „eine Behausung der Dämonen“ (Offenbarung 18,2, Schlachter) geworden war, war es, die zu seinen Füßen saß und von ihm lernte, die das kostbare Öl auf sein Haupt goß und seine Füße mit ihren Tränen benetzte. Sie stand am Fuße des Kreuzes und folgte ihm zum Grabe; sie war nach seiner Auferstehung als erste an der Gruft, und sie war die erste, die den auferstandenen Heiland verkündigte.
Jesus kennt den Zustand jeder Menschenseele. Du magst sagen: Ich bin voller Schuld und Sünden. Das ist wahr; aber je unwürdiger du bist, desto mehr brauchst du die Kraft deines Retters. Er stößt keinen Weinenden, keinen der anders leben möchte, von sich. Er erzählt nicht jedem alles das, was er weiß, aber er ermutigt jede bedrängte Seele. Bereitwillig vergibt er allen denen, die ihn um Vergebung und Veränderung bitten."
Das Haus mit der verzweifelsten Frau ist das Haus, in das sich Jesus am liebsten zurückzieht. Sie, dieser hoffnungslose Fall, wird seine beste Freundin. Als alle Jünger fliehen, steht sie unter seinem Kreuz an seiner Seite. Mutig. Und noch bevor Jesus nach seiner Auferstehung in den Himmel geht (bevor er sich seinen Jüngern zeigt), wartet er darauf sie am Grab zu treffen. (Daraufhin erst geht Jesus in den Himmel und kommt wieder zur Erde, bis er endgültig öffentlich wieder zu Gott geht). Aber Jesus wartet auf sie, will ihr persönlich sagen, dass alles gut ist, dass er wieder da ist, bevor er direkt nach seiner Auferstehung zu seinem Vater und den Engeln geht, die so sehnsüchtig auf ihn gewartet haben. Maria ist ihm wichtiger als der ganze Himmel.
Darum verkaufte Maria ihr Vermögen für eine Flasche Öl, mit der man einen König krönt. Das teuerste. (Womit hat sie es verdient? Mit Prostitution? Mit Diebstahl? Mit Kollaboration mit den Feinden?). Sie wollte Jesus zeigen, was er ihr bedeutet. Im Gegensatz zu all den Jüngern, die ihm erst nach seinem Tod zeigen (und nicht einmal dann), was er ihnen bedeutet.
Egal, wie oft du die Kontrolle über dein Leben verloren hast. Egal, wie oft du zurück in alten zerstörerischen Gewohnheiten gefallen bist. Egal, wie oft du die Dämonen in dir gehört oder gefühlt hast. Egal, wie oft du den Ausweg nicht gefunden und dich selbst nicht ändern kannst. Immer immer immer will Jesus dir helfen. Hundertmal wieder. Das Maximum von ständig.
Auch, wenn andere mit dir die Geduld verloren haben. Wenn sie den Kontakt zu dir abgebrochen haben, dich für einen schlechten Menschen halten, für einen hoffnungslosen Fall. Wenn sie dich verurteilen, weil du es schon wieder gemacht hast - Gott liebt dich immer noch. Er will dich befreien. Immer noch und wieder.
Gott liebt trotzdem. Er fühlt sich am wohlsten, wo die Menschen ihn am meisten brauchen, inmitten der Vollversager. Er sieht das Herz, das will, dem es leidtut, das alleine nicht weiterkommt, den Menschen, der ihn liebt, der anders leben will. Die größte Liebesgeschichte hat Jesus mit den Menschen, die ihn am meisten brauchen, weil sie am dankbarsten sind für seine Hilfe und Geduld.




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