Der Zustand des Sabbatismós
- 7. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Dez. 2025

Was ist das Ziel des ganzen Christentums? Oder anders: Was eigentlich will Gott von uns? Es ist das zur-Ruhe-Kommen. Die Bibel hat dafür ein faszinierendes Wort: sabbatismós (griech. σαββατισμός) (Hebräer 4,9). Sabbat heißt Ruhe. Sabbatismós ist der Zustand des völligen zur-Ruhe-gekommen-seins. Ein Zustand, in dem wir und unsere Umgebung zur inneren Ruhe gefunden haben. Ein Zustand, der das Paradies beschreibt. Darum geht es im Hebräerbrief 4-5. Hier will ich es mit einfachen Worten erklären.
Der Sabbat als Protest
Ein äußerliches Symbol dafür, wie zentral diese Idee für Gott ist, zeigt uns der Sabbat als wöchentlicher Ruhetag. Die Idee ist: Alle Menschen sollen zur Ruhe kommen dürfen. Der Sabbat ist ein Protest gegen jeden in der Gesellschaft, der sich über einen anderen stellt. Er ist die Erinnerung daran, dass wir vor Gott alle gleich sind. Im Judentum darf am Sabbat niemand einem anderen Menschen oder einem Tier eine Aufgabe geben und sagen: "Tu dies oder tu das für mich!". Jeder soll frei und gleich sein an diesem Tag. Sogar die Tiere bekommen hier das Recht zu ruhen. Niemand ist Herr und niemand ist Diener. Gesellschaftlich hat das eine revolutionäre soziale Bedeutung. Ein Schutz gegen Ausbeutung und Entmenschlichung - in vielen Ländern der Welt undenkbar. Bei Gott ist das keine Empfehlung, sondern ein Gebot. Er ist ein Prüfstein für unsere Menschlichkeit in einer profitgierigen, kapitalistischen und hierarchischen Welt. Ein Geschenk an die Unterlegenen und Schwächeren in allen Ländern zu allen Zeiten.
Sabbat als Praxis
Paulus geht es aber um mehr als nur um äußere Ruhe einmal pro Woche. Der Sabbat als Zustand steht für innere Ruhe. Unsere Religion soll damit beginnen und uns dahin bringen, in Gott zu ruhen. Der Ruhetag war für die ersten Menschen der erste Tag, den sie erlebten. Nicht Verdienst nach einer langen Woche. Sondern die Grundlage für die kommende Woche. Eine Ruhe, die laut Paulus durch Vertrauen und Gehorsam entsteht (Hebräer 4 und 5): Leben wir unser System oder leben wir in Gottes System? Glauben wir, dass unsere Mühe unsere Lebensgrundlage sichert – oder glauben wir, dass Gott unsere Lebensgrundlage ist und uns Sicherheit gibt? Es ist der Unterschied zwischen einem Leben in Angst oder einem Leben im Vertrauen.
Paulus stellt Vertrauen und innere Ruhe mit Gehorsam gleich. Ehrlich gesagt habe ich ein Problem mit dem Wort Gehorsam. Es ist für mich total militärisch geprägt und mit Unterwerfung verbunden. Aber das Wort Vertrauen verstehe ich. Und auch, dass Vertrauen uns dazu bringt, das umzusetzen, was andere uns raten. Ich vertraue meinem Vater, wenn er für mich ein neues Auto aussucht. Ich vertraue meiner Kollegin, wenn sie mir Tipps zum Umgang mit Behörden gibt. Ich vertraue meiner Mutter, wenn ich sie frage, wie ich am besten Hefeteig backen kann. Wenn wir vertrauen, dann tun wir bereitwillig das, was uns jemand anders rät.
Paulus sagt: ohne Vertrauen keine Ruhe. Das Gegenteil von Vertrauen ist nämlich Angst, die im Misstrauen steckt. Die Angst, auf sich allein gestellt zu sein. Wer Angst hat, kommt nicht zur Ruhe. Oder Ungehorsam: die Weigerung nach den Prinzipien der Liebe zu leben. Dann kommen die Menschen um uns herum nicht zur Ruhe. Gottes Regeln abzulehnen bringt uns oder andere aus der Ruhe.
Sabbat als Weg der Liebe
Das ist das Problem mit Ungehorsam: Gottes Regeln sind Formen von Liebe - Hilfsbereitschaft in Notsituationen, Vergebung, Treue, Gewaltlosigkeit, die gleiche respektvolle Behandlung für alle Menschen ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Position. Wenn wir diese Regeln brechen, nehmen wir nicht nur uns, sondern vor allem anderen Menschen ihre innere Ruhe.
Auf der ganzen Welt leiden Menschen unter dem Mangel an Liebe – Ausbeutung, Gewalt, Rassismus, Gleichgültigkeit. Der deutsche Hirnforscher und Neurobiologe Gerald Hüther veröffentlichte 2021 ein Buch mit dem Titel: „Lieblosigkeit macht krank“. Mit seinem Gesetz der Liebe will Gott alles verhindern, was uns krank macht - unseren inneren Frieden in der Tiefe verhindert. Er will nicht nur uns, sondern uns als Gemeinschaft dahin bringen, dass wir innere Ruhe empfinden. Dass wir ohne Angst voreinander leben. Darum heilt uns Gehorsam. (Auch, wenn ich das Wort immer noch negativ assoziieere... Hier geht es in jedem Fall um einen freiwilligen Gehorsam. Ich würde es modern eine bewusste Entscheidung für diesen Weg nennen).
Sabbat als Geschenk eines veränderten Herzens
Inhalt des Christentums ist, dass Gott uns heilen will von Lieblosigkeit. Indem er uns gesund liebt, unser Herz auf allen Ebenen beruhigt. Er will durch seine Liebe unser Herz verändern, uns weicher, einfühlsamer, mitfühlender machen. Diese Ruhe, dieses Vertrauen, diese Liebe - Gott will das schenken. Er will uns das Elitedenken, die Überheblichkeit, die Härte, die Bitterkeit, den Neid, die Hoffnungslosigkeit nehmen. Er will uns ein Denken schenken, indem Liebe normal ist. Er will uns den Glauben schenken, dass auf diesem Weg alles gut wird. Es geht um ein Loslassen, ein sich Fallenlassen. Nicht um ein Kämpfen, der beste Mensch zu werden. Es ist das Geschenk des Heiligen Geistes: der Gott der Liebe will in uns leben. Er will uns zur Ruhe bringen, nicht wir selbst.
Sabbatismós als Endziel
Das ist das Prinzip, die Praxis des Sabbats: innere Ruhe in dem Vertrauen finden, das für alles bereits gesorgt ist. Und innere Ruhe auf dem Weg der Liebe finden. Mit dem großen Unterschied zum Rest der Welt: Innere Ruhe auf dem Weg zu finden, der auch anderen Menschen innere Ruhe bringt. Das soll das Leben der Sabbathalter sein. Sabbatismós wird der Zustand innerer Ruhe sein, den eine Welt gefunden hat, die von aller Lieblosigkeit und Angst geheilt ist.
Ehrlich gesagt: Mich begeistert das! :)




Ehrlich gesagt: Mich begeisterst Du! 😻 Aber ja, wenn ich eins durch den Glaube lernen durfte, dann, dass Gott Vertrauen, Kraft und Ruhe heißt. Und all das merke ich täglich, wie besänftigt mein Herz und ich sind, weil Ich weiß, ER ist da. ER ist gut. Also wird hier auf Erden alles gut - für mich, für dich, für alle. Für die Welt. Irgendwann.
Sensationell auf den Punkt gebracht! Wie motivierend, heilend und befreiend dieses göttliche Konzept ist! So ganz anders als all das, was die Menschen zu allen Zeiten daraus gemacht haben!!