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Der böse ausländische Prophet

  • 6. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Kann es eigentlich Propheten geben, die nicht zum Volk Gottes gehören? Offensichtlich ja. Kann es sogar wahre Propheten geben, die Gottes Worte an die Menschen weitergeben, selbst aber ein schlechtes Herz haben und böse Dinge tun? Offensichtlich ja. Die Bibel stellt uns einen solchen Mann vor: Er heißt Bileam. Das Spannende: Bileam ist der einzige biblische Prophet, der auch außerbiblisch belegt ist.


Er wird in der Bibel nicht direkt Prophet genannt. Aber Gott redet mit ihm direkt und persönlich. Das wird berichtet. Es ist die außerbiblische Inschrift von Tell Dēr ‘Allā, die ihn als „Seher der Götter“ bezeichnet. Er lebt nicht in Israel aber er glaubt an den Gott namens JHWE.[1]


Und wie verhält er sich? Der König seines Landes namens Balak lässt ihn holen, um die Israeliten zu verfluchen, weil er Angst vor ihnen hat. Dafür bietet er Bileam viele Geschenke an. Bileam fragt Gott. Und Gott antwortet Bileam direkt: „Geh nicht mit! Verfluch das Volk nicht; denn es ist gesegnet.“ (4. Mose 22,12).


Bileam will aber trotzdem gehen. Er liebt das Geld mehr als Gott. Schließlich versperrt ihm ein Engel mit einem Schwert dem Weg und seine Eselin, auf der er reitet, weigert sich weiterzugehen. Am Ende redet die Eselin sogar mit Bileam und beschwert sich. Bileam ist blind für Gott, weil er ihn nicht sehen will. Als er das Volk schließlich vor dem König versucht zu verfluchen kommt aus seinem Mund nur Gutes. Eine groteske Geschichte über einen Streit zwischen einem Propheten und seinem Gott.


Als aller Ungehorsam gegen Gott nicht zum Ziel führt, Israel irgendwie zu zerstören, kommt Bileam auf eine andere Idee: Er schickt Prostituierte und verführt das Volk durch sie zur Götzenanbetung (4. Mose 31,16). Schlau, böse und erfolgreich. Das Volk Israel wird geschwächt. Abschließend nennt ihn die Bibel sogar einen „Wahrsager“ (Josua 13,22).


Das Verrückte an der Geschichte ist: Gott hat durch Bileam gesprochen. Bileam kannte Gott. Und die Prophezeiung, dass einmal ein „Stern“ aus Israel als ein Zeichen für einen neuen König kommen würde, war Grundlage für den Besuch der Sterndeuter bei der Geburt von Jesus (4. Mose 24,17). Die Schüler von Bileam interessierten sich mehr für Jesus als die Israeliten selbst. Sie waren später die einzigen, die ihn angebetet und beschenkt haben.


Ein Mann, der nicht aus Israel kommt, der nicht einmal Gott gehorcht, sagt wahre Dinge, die Menschen zu Gott führen. Das ist verrückt. Aber vielleicht bei Gott sogar normal?


Ich muss immer an diese Geschichte im Zusammenhang mit dem muslimischen Prophet Mohammed denken. Wer kann sagen, dass Mohammed kein Prophet von Gott war? Ein Mann, der an den einzigen wahren Schöpfer-Gott glaubt und die Menschen dazu aufruft, keine Götzen mehr anzubeten. Ein Mann der an die Propheten erinnert, die Gott vor ihm geschickt hatte. Ein Mann, der eine Gemeinschaft der Gläubigen aufbaut, unabhängig aus welchem Stamm und von welcher Familie man kam. Ein Mann, der es verbietet unerwünschte Neugeborene zu töten (wie damals üblich), der Frauen ein Erbrecht zuspricht und Menschen dazu aufruft, die Armen zu versorgen. Ein Mann, der für die Versorgung von Waisen und Witwen eintritt und dagegen kämpft, dass Menschen sich an den Schulden anderer bereichern. Ein Mann, der für Ehrlichkeit und Barmherzigkeit eintritt. Der sagt, dass Gott direkt zu ihm gesprochen habe. Und der dann Dinge tut, die Gott ihm nicht gesagt hat…


Ein ungehorsamer Prophet? Ein Prophet, der nicht zu Gottes Volk gehört? Der die Schriften nicht besitzt? Und der schließlich gegen Gott rebelliert und Dinge tut, die Gott ihm gar nicht gesagt hat? Er wäre nicht der erste. Nicht der erste, den Gott zum Guten benutzt hat und der trotzdem falsche Dinge tat. (Genauso übrigens wie auch König David - ein "Mann nach dem Herzen Gottes" Dinge tat, die Gott verurteilte). Er wäre auch nicht der erste, zu dem Gott direkt gesprochen hat und der schließlich ohne Gott weiterging (wie lange Zeit auch König Salomo). Er wäre auch nicht der erste, der außerhalb vom Volk Gottes die Menschen zu Gott führte. Und nicht der erste, durch dessen außerbiblische Botschaft Menschen zu Gott gefunden haben.


Rechnen wir damit, dass Gott auch in anderen Ländern inmitten anderer Religionen seine Propheten hat? Glauben wir, dass Gott auch zu Menschen spricht, die nicht zum offiziellen Volk Gottes gehören und ihnen Botschaften für ihr Land und ihre Leute gibt? Glauben wir, dass Gott durch Menschen sprechen kann, selbst wenn sie kein vorbildliches – oder sogar ein wirklich schlechtes – Leben führen? Können wir uns vorstellen, dass Gott Menschen auch ohne die Bibel, sondern durch andere Schriften zu sich führt? Und was, wenn diese Menschen durch ihre außerbiblischen Propheten am Ende das Wesentliche besser verstanden haben als wir Christen? Was, wenn sie besser danach handeln als wir?


Im Nächsten Blogeintrag möchte ich über die Sterndeuter schreiben. Denn genau davon handelt ihre Geschichte.


 
 
 

1 Kommentar


mmgaffron
08. Dez. 2025

Was für herausfordernde Parallelen! Über deine Fragen sollten wir ernsthaft nachdenken! Das werde ich tun. Danke für dieses neue Perspektive! 👌🏻

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