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Abraham: Mein Erbe ist meine Berufung

  • 9. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Dez. 2025

Falls du die Geschichte von Abraham kennst - wusstest du, dass Abraham seine Berufung von seinem Vater geerbt hatte? Ich kannte die Geschichte immer so: "Gott sagte zu Abraham: Geh aus deinem Land und dem Haus von deinem Vater in ein Land, in dass ich dich führen werde." Klingt bekannt? Ist auch richtig. Die Geschichte beginnt aber woanders, nämlich eine Generation vorher:


"Terach nahm seinen Sohn Abram, seine Schwiegertochter Sarai und seinen Enkel Lot (das Kind seines Sohnes Haran) und verließ Ur in Chaldäa, um ins Land Kanaan zu ziehen. Als sie jedoch nach Haran kamen, ließen sie sich dort nieder. Terach lebte 205 Jahre und starb in Haran." (1. Mose 11, 31-32)


Die Reise in das neue Land begann eine Generation vor Abraham. Aus irgendeinem Grund war Terach hängengeblieben und nicht wie geplant weitergezogen. (War er krank geworden? Abgelenkt? War es nur seine Idee oder auch ein Auftrag von Gott?) Jetzt sagte Gott zu Abraham: "Zieh weiter. Bringe das zu Ende, was dein Vater angefangen hat. Geh seinen Weg weiter. Das ist mein Auftrag für dich."


Warum mich das so berührt? Vielleicht weil mein Vater eine unheilbare Krankheit hat. Vielleicht weil so viele meiner Großeltern schon gestorben sind. Und weil ich es jedes mal wie einen Druck auf der Brust fühle: Wer wird ihren Weg weitergehen? Wer wird ihr Erbe weitertragen? Das, was sie begonnen haben, darf mit ihnen nicht aussterben! Aber wer wird in ihre Fußstapfen treten? Ich fühle es, wie einen Ruf von Gott.


Was meine ich damit? Ich bin beeindruckt von meinen Vorfahren. Da ist meine Uroma, die Juden versteckt hat (Würde ich das auch machen? Braucht das in meiner Umwelt gerade irgendwer?). Dann sind da Oma und Opa Wolf, mein Onkel und meine Tante, die für alle Menschen dieser Welt ein offenes Haus hatten: Pflegekinder, ehemalige Häftlinge, Flüchtlinge,... Ich nenne es ein "Haus der Gnade". Ich wusste: Egal, wie sehr ich versagen würde, ich wäre immer bei ihnen willkommen und immer geliebt. Wo gibt es so etwas auf dieser Welt?


Und dann ist da die andere Seite meiner Familie, die Eltern meiner Mutter: Beide Töchter versuchen von zuhause zu fliehen. Die Hölle ist das Haus des Pastors, ihres Vaters, wobei es meine Oma ist, die die meiste Gewalt ausübt. Psychischer, geistlicher und körperlicher Missbrauch. Ein abwesender Vater. Ein Trauma, das sich durch viele Generationen zieht. Ein Berg von theologischem Wissen vermischt mit dem Gift der adventistischen Arroganz und Rechthaberei. Die Waffe der Wahl? Zitate von Ellen White und die Angst, nicht in den Himmel zu kommen.


Natürlich ist meine Familiengeschichte nicht schwarz-weiß. Auch zwischen all dem Missbrauch sehe ich den Durst nach Bildung, Liebe zu Sprachen, zum Wandern, die Musik. Dafür bin ich dankbar. Und auch im anderen Teil der Familie ist nicht alles perfekt, auch Schwächen werden weitergegeben. Aber trotzdem: Mich beschäftigt das Erbe meiner Familie, weil ich manches durch sie - und auch durch meine Eltern - so gut gelernt habe, wie viele andere nicht: Ganzheitliche Gesundheit, Bibelwissen, Wissen über die Natur, Toleranz oder die Folgen von Trauma und was geistlicher Missbrauch bedeutet. So vieles, was mein Vater nicht mehr predigen kann, möchte ich am Leben erhalten: Dass man in der Religion die "goldene Mitte" finden muss. Oder von meiner Mama: Dass man Menschen gewinnen muss, ihnen das Gute schmackhaft machen muss, wenn man sie lehren will. Die Liebe zur Musik.


Darum schreibe ich diesen Blog. Das ist mein Hintergrund. Und ich frage dich: Welches Erbe haben dir deine Eltern weitergegeben (auch, wenn sie noch leben)? Welche Geschichte kannst du besser erzählen als jeder andere? Welche Schuld und welches Trauma könntest du aufarbeiten und vielleicht im ganz Kleinen in dieser Welt verhindern, dass es wieder passiert? Wovon könntest du der Welt am besten erzählen? Welches Wissen deiner Vorfahren darf nicht verloren gehen, welche Fähigkeiten, welche Begeisterung, welches Feingefühl in welchem Bereich?


Vielleicht ist Gottes Berufung für unser Leben gar nichts ganz Neues, sondern ein Weg, den er schon lange mit unserer Familie geht - oder versucht zu gehen und auf dem wir oder unsere Eltern vielleicht steckengeblieben sind?


(Foto: KI)

 
 
 

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