Heilige Intuition: Dein Körper als Tempel
Aktualisiert: 2. Aug.

Mich beschäftigt schon länger folgender Gedanke von Paulus:
„Wer aber dem Herrn gehört, ist ein Geist mit ihm. (…) Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, der in euch lebt und euch von Gott geschenkt wurde?“
(Korinther 6,17+19)
Mein Körper als ein Tempel. Mein Körper als der heilige Ort, wo Gottes Geist wohnt.
Jesus versprach, dass, wenn er uns verlässt, er uns stattdessen seinen Geist gibt, der uns „in alle Wahrheit führen wird“ (Johannes 16,13). Seit Jesus lebt Gott nicht mehr außerhalb von uns, sondern in uns. Hast du Gott schon einmal in dir gesucht? Ich meine nicht nur in deinem Geist – sondern wie Paulus sagt, in deinem Körper? Was bedeutet das?
Heilige Intuition – unser Kompass
Es gibt ein ganzes Buch in der Bibel, das Buch der Sprüche, wo Gottes Geist als Weisheit beschrieben wird. Es geht dabei nicht nur um menschliche Schlauheit, sondern vor allem um die tiefe Erkenntnis, was gut ist, was wichtig ist, was richtig ist. Wie ein innerer Kompass. Eine Stimme in uns, die uns die Richtung weist: zum Frieden. Zur Liebe. Zu einem Leben in Mitmenschlichkeit, Freude und Fülle. Wenn Gott in uns wohnt, ist der Kompass darauf genordet. Das bedeutet es eins mit Gott zu sein: Wenn tief innen die Richtung klar ist. Wenn Gott unser Innerstes mit sich selbst füllt.
Ich verstehe das so: Wenn wir uns für Gott öffnen, dann kommt ein Geist in uns, der uns von innen heraus heiligt und führt. Ein anderes Wort für unsere Intuition ist unser Gewissen: eine klare Stimme, die jeder Mensch kennt. Paulus sagt: Das ist Gott (Römer 2,14-15). Und Paulus ist es extrem wichtig, dass jeder Mensch nach seinem eigenen Gewissen handelt (s. 1. Korinther 8). Dabei gibt er Beispiele, dass unser Gewissen durchaus individuell und verschieden ist. Extrem wichtig ist ihm, dass wir nicht gegen unser inneres Gefühl von dem handeln, was wir persönlich für gut und richtig erkannt haben und auch nicht andere dazu überreden.
Ich persönlich habe oft in christlichen Kreisen die Botschaft gehört, dass meine Innerstes, meine Gedanken und Gefühle, unzuverlässig und sündhaft seien. Das Herz aller Menschen sei böse, wechselhaft und verführbar. Als Folge von dieser Theorie habe ich gelernt meine Gefühle zu ignorieren und zu tun, was mir nicht gut tut, weil mein Kopf dafür hundert gute Gründe hatte. Mein Leben wurde ungesund. Und traurig dazu.
Stattdessen durfte ich in den letzten Jahren lernen, wie unglaublich wertvoll und wahr meine Intuition ist. Und wie weise mein Körper zu mir spricht. Dass ich tatsächlich von innen heraus geführt werde. Und dass ich Gott in mir suchen und finden kann. Dass ich mir wieder vertrauen darf. Ja, die Bibel ist unser Kompass. Sie hilft uns, Gottes Stimme von anderen zu unterscheiden. Sie lehrt uns die Prinzipien und Grundlagen. Aber für unseren Alltag und unsere individuelle Situation brauchen wir den Geist, der uns zeigt, was das konkret für unser Leben bedeutet. Er ist der Stellvertreter von Jesus, seine Gegenwart in unserem Leben. Er führt uns "in alle Wahrheit".
Unser Bauchgefühl ist auch von Natur aus unsere gesammelte Lebenserfahrung, die uns etwas sagt, was wir oft erst viel später in Worte fassen und erklären können. Es ist wie ein inneres angeborenes Thermometer, das uns warnen kann und uns skeptisch werden lässt. Oder das uns zeigt: Du bist genau richtig hier. Es kann Alarm schlagen. Oder uns signalisieren, dass wir endlich etwas gefunden haben, wonach wir schon so lange gesucht haben.
In jedem Fall verstehe ich den Bibeltext so, dass Gott unser Innerstes dafür nutzen möchte, um zu uns zu sprechen. Hör mal auf dieses Gefühl tief in dir drin: Was tut dir wirklich gut? Wo findest du echten Frieden? Wovon solltest du eigentlich lieber Abstand nehmen? Ich sage eigentlich, echt und wirklich, weil dieses tiefe Bewusstsein oft unter Schichten von Vernunft, Ängsten, Ungeduld, spontaner Lust und lauter Stimmen aus unserem Umfeld begraben liegt. Ich glaube, dass Gott tief in uns einen Kompass gelegt hat, durch den er uns führen will, wenn wir ihn darin wohnen lassen. Er will dieses Bauchgefühl heiligen. Er will in unserem Bauchgefühl wohnen.
Noch lauter: Wenn der Körper schreit
Und dann gibt es noch einen Weg durch den Gott zu uns spricht:
„Geh du vor“, sagt die Seele zum Körper, „Auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er auf dich.“ (Ulrich Schaffer)
Langsam und schmerzhaft lerne ich seit Jahren, wie wahr dieser Satz ist. Wenn ich nicht auf meine Intuition höre, wird mein Körper krank. Es gibt viele Gründe, nicht auf unsere Intuition zu hören. Oft wollen wir Dinge, die uns gar nicht guttun. Weil wir darin irrigerweise unser Glück vermuten. Weil andere sich das von uns wünschen. Weil der Weg wie eine Abkürzung scheint. Weil es uns so beigebracht wurde. Weil es alle anderen auch so machen. Weil es uns Anerkennung bringt. Weil uns das Richtige Angst macht. Viele Kräfte sind stärker als diese leise Stimme in uns drin.
Ich habe Gürtelrose, Nervenschmerzen, Hörstörungen, Rückenschmerzen, Panikattacken und Essstörungen bekommen – weil ich nicht auf meine Seele gehört habe. Erst langsam lerne ich, dass meine Lebensqualität entscheidend davon abhängt, wie gut ich auf meinen Körper und auf meine Seele höre. Die leichten Magenschmerzen, die Appetitlosigkeit, die Schlafstörungen – sie sagen mir etwas. Und ich muss sie ernst nehmen und etwas ändern. Sonst schreit mein Körper lauter. Da lebt eine große Weisheit in meinem Körper.
Den Geist in mir ernst zu nehmen ist das Gegenteil von der Botschaft, dass mein Herz böse und verführerisch sei. Zu glauben, dass Gott wirklich in mir wohnt und ich ihn an diesem Ort finde, ist mir immer noch neu. Aber ich spüre genau: Ein ruhiges Nervensystem bedeutet Frieden. Tiefer Schlaf, Appetit und Energie heißt: Alles ist gut. Wenn ich wirklich dem folgen will, was gut für mich ist, kann ich meinem Körper und meiner Intuition vertrauen. Denn genau das ist Gottes Ziel: Uns zu dem zu führen, was gut für uns ist. Nicht der Kick in diesem Moment ist das Ziel – sondern was dauerhaft echt guttut. Was sich nach Frieden anfühlt. Auch wenn das manchmal loslassen, aufhören, absagen oder anstrengen bedeutet.
Gott in einem Haufen geheiligter Menschen
Die Menschen suchten Gott zu allen Zeiten in Tempeln. Gott dagegen sagt: Wir selbst sollen sein Tempel sein. Paulus sagt auch: Die Gemeinschaft der Gläubigen ist Gottes Tempel. Ein Haufen voller Leute mit Gott im Herzen. Viele Mini-Tempel. Menschen, die sich von dem Geist zu Frieden und Liebe leiten lassen wollen, der in ihnen lebt.
Wenn du Gott also suchst, dann such ihn nicht nur im Himmel – irgendwo im außen. Da ist er. Aber such ihn auch in dir. Und wenn du dir bei all den Stimmen zwischen Vernunft, Angst, Gesellschaft, Elternstimmen und verrückten Ideen nicht ganz sicher bist, was wirklich gut ist: Dann spür mal, wie dein Körper reagiert.
Und suche Gott in der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen. Denn auch dieses Zusammentreffen ist Gottes Tempel – wo er wohnt und wir ihn besser kennenlernen können. Alleine können wir Gott nur sehr begrenzt erleben. Wir erleben ihn vor allem in einem Miteinander aus Aufrichtigkeit, Frieden und Liebe.
Gott ist unsichtbar. Aber wahrnehmbar – für alle, die hinfühlen und spüren, was wirklich guttut.



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